Barrierefreie Websites und Blogartikel: Das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG) sorgt seit dem 28. Juni 2025 für Diskussionen. Auch in sozialen Netzwerken häufen sich die Posts zum Thema (meine Timeline ist voll davon).
Aber was bedeutet „barrierefreie Blogartikel“ genau und wie kannst du sie umsetzen?
In diesem Artikel erfährst du:
- warum barrierefreie Blogartikel für Menschen wichtig sind, die bloggen, unternehmerisch tätig sind oder digitale Inhalte lesen und nutzen.
- wie du mit einfachen Maßnahmen deine Texte so gestalten kannst, dass alle sie lesen und verstehen können.
Warum sollten deine Business-Blogartikel barrierefrei sein?
Wenn du fürs Business bloggst, hast du klare Ziele:
Du möchtest Sichtbarkeit aufbauen, Vertrauen gewinnen – und im besten Fall am Ende deine Produkte oder Dienstleistungen verkaufen. Und genau deshalb lohnt es sich, kurz einen Schritt zurückzugehen und zu fragen:
Können deine Inhalte wirklich alle Menschen erreichen, die sie erreichen könnten?
Tatsache ist: Ohne barrierefreie Gestaltung können Blogartikel oft nur schwer oder gar nicht genutzt werden.
Deutschlandweit gibt es 7,9 Millionen Menschen mit Seh-, Hör-, motorischen oder kognitiven Einschränkungen, die täglich auf digitale Inhalte angewiesen sind. Doch nicht nur Menschen mit Behinderungen profitieren von barrierefreien Blogartikeln. Auch ältere Menschen, Personen, die temporär eingeschränkt sind, oder Personen mit geringer Lesekompetenz freuen sich über Blogartikel, die zugänglich sind.
Ein Beispiel, das viele unterschätzen: Wenn jemand eine Augenentzündung hat oder bei grellem Licht (Stichwort: Smartphone an der Bushaltestelle) kaum etwas erkennt, ist es hilfreich, wenn Inhalte gut lesbar sind oder sich verständlich vorlesen lassen können.
Und um all diese Menschen zu erreichen, sollten deine Blogartikel barrierefrei sein. Barrierefreiheit bedeutet, dass digitale Inhalte wie Blogartikel so gestaltet sind, dass sie für alle Menschen – unabhängig von körperlichen oder kognitiven Einschränkungen und egal, ob diese permanent oder vorübergehend sind – zugänglich sind.
Barrierefreie Blogartikel sind aber nicht nur eine Frage der Inklusion. Sie bringen auch konkrete Vorteile für dich, dein Business und für alle, die deine Inhalte lesen. Hier zeige ich dir fünf wichtige Vorteile. Zu jedem Vorteil bekommst du praktische Tipps, die du direkt umsetzen kannst.
5 Vorteile barrierefreier Blogartikel + praktische Tipps
1. Reichweite erhöhen und mehr Leserinnen und Leser gewinnen – durch klare Struktur und gutes Layout
Viele Menschen haben Schwierigkeiten, Online-Inhalte zu konsumieren. Zum Beispiel aufgrund einer temporären Beeinträchtigung.
Vielleicht kennst du das selbst:
- Du bist unterwegs, sitzt in der Bahn, hast keine Kopfhörer dabei: Ein Video ohne Untertitel ist plötzlich nutzlos. In solchen Momenten helfen Untertitel oder Transkripte nicht „ein paar wenigen“, sondern sehr vielen.
- Du bist dauerhaft beeinträchtigt: Seh- oder Hörbehinderungen, motorische Einschränkungen oder kognitive Herausforderungen wie Legasthenie oder Konzentrationsschwierigkeiten können den Zugang zu digitalen Inhalten deutlich erschweren.
Die Folge: Wenn deine Artikel zwar fachlich stark sind, aber für einen Teil deiner Leserinnen und Leser schwer zugänglich, verlierst du Reichweite – ohne es zu merken. (Und das passiert schneller, als du denkst.)
Wenn du deinen Blog-Content aber visuell und inhaltlich so aufbereitest, dass er möglichst barrierearm ist, öffnest du deine Inhalte für eine größere Zielgruppe – inklusive älterer Menschen – und erhöhst die Chance, dass mehr Menschen deine Beiträge lesen, verstehen und nutzen können.
Damit das gelingt, spielt nicht nur der Inhalt eine Rolle, sondern auch die Gestaltung. Denn ein klares Layout macht deine Blogartikel leichter lesbar, schneller erfassbar und hilft auch Suchmaschinen, deine Inhalte besser zu verstehen.
Layout und Inhalt sollten zusammenspielen und aufeinander einzahlen: für eine bessere Lesbarkeit und für eine bessere Auffindbarkeit in Suchmaschinen.
Die folgenden Maßnahmen helfen dir, deinen Beitrag so zu gestalten, dass er sowohl Menschen als auch Suchmaschinen anspricht.
- Sorge für ausreichende Kontraste – in der Größe und Farbe. Wie oft sehe ich kleine, mittelgraue Schrift auf weißem Hintergrund oder weiße Schrift auf verlaufenden Hintergründen oder auf Bildern. Wer kann das auf seinem Smartphone an der Bushaltestelle wirklich lesen? Ich bitte dich, das zu vermeiden.
- Schaffe genügend Zeilenabstand und Weißraum, denn das macht den Text leichter erfassbar.
- Setze eine barrierefreie Schriftart ein, wie die Atkinson Hyperlegible, Lexend oder Inter. Sie zeichnen sich durch besonders gut unterscheidbare Buchstabenformen aus und sind daher sehr gut lesbar. Mein Tipp: Atkinson Hyperlegible. Bei dieser unterscheidet sich auch deutlich die Zahl Null von einem O. Und praktisch: Die Atkinson Hyperlegible ist kostenfrei.
- Beachte die Schriftgröße. Verwende eine gut lesbare Schriftgröße, weder zu groß noch zu klein, damit Menschen deinen Text angenehm lesen und gut erfassen können. Sie sollte 18 px betragen, mindestens aber 16 px.
- Wenn du Buttons oder Links im Beitrag verwendest, kennzeichne sie deutlich als klickbare Elemente. Noch besser ist es, diese eindeutig zu beschriften – nicht „hier“ oder „mehr“, sondern zum Beispiel „Zum Yoga-Kurs“ oder „Zum Newsletter anmelden“.
- Wenn du Symbole oder Icons verwendest, dann setze sie konsistent und einheitlich ein. Sie geben deinem Artikel Struktur und helfen den Lesenden, deinen Text zu verstehen.
Es gibt Tools, die helfen, die Farbkontraste zwischen Text und Hintergrund oder zwischen Button-Hintergrund und Button-Text zu prüfen. Ich nutze dafür gerne diese beiden Kontrast-Prüfer:
2. Die Bindung zu den Nutzenden stärken
Ein Text kann „gut geschrieben“ sein und trotzdem Hürden haben.
Wer deinen Blog besucht, sollte Inhalte schnell erfassen können, statt sich durch schwer verständliche Texte kämpfen zu müssen.
Ziel für die Praxis: Gewinne Leserinnen und Leser mit klarer und verständlicher Sprache.
Ich vergleiche das gern mit einem gut ausgeschilderten Weg: Du willst, dass deine Leserinnen und Leser sich „geführt“ fühlen, nicht verloren. Verständliche Sprache stärkt das Vertrauen in deine Inhalte: Leserinnen und Leser fühlen sich abgeholt, ernst genommen und kommen eher zurück. Auch ältere Menschen, Menschen mit kognitiven Einschränkungen, Personen mit Konzentrationsschwierigkeiten oder Menschen, die Deutsch nicht als Muttersprache sprechen, profitieren von deinem Wissen. So sorgst du für ein besseres Leseerlebnis.
Sie danken es dir, indem sie länger auf deiner Seite verweilen. Und Verweildauer ist ein wichtiger Ranking-Faktor für Google.
Konkret bedeutet das:
- Schreibe in kurzen und verständlichen Sätzen, vermeide Textwüsten und halte Absätze kurz. Ein Gedanke pro Absatz reicht. Das erleichtert auch das Lesen auf dem Smartphone.
- Wähle einfache Worte. Das heißt auch: Vermeide Fachjargon und erkläre komplexe Begriffe.
- Schreibe aktiv und direkt. Passiv-Konstruktionen und lange Schachtelsätze machen Texte schwerer lesbar, auch für Menschen, die schnell den Faden verlieren.
Inhaltliche Verbesserungsvorschläge (Stil, Grammatik, Verständlichkeit) können Text-Analyse-Tools machen:
- LanguageTool
- DeeplWrite
- Duden Mentor
Am Ende geht es darum, mit klarer Sprache Vertrauen aufzubauen. Wer deine Inhalte schnell versteht, fühlt sich ernst genommen und kommt eher wieder. So können aus Besucherinnen und Besuchern treue Leserinnen und Leser werden – und später vielleicht Kundinnen und Kunden.
3. Sichtbarkeit und Ranking in den Suchmaschinen erhöhen – durch zugängliche Medien und klare Struktur
Barrierefreie Blogartikel und gutes SEO gehen Hand in Hand. Wer auf Barrierefreiheit setzt, verbessert automatisch seine Sichtbarkeit.
Wenn du deine Blogartikel barrierefrei gestaltest, verbesserst du deine Sichtbarkeit in Suchmaschinen und machst deine Inhalte zugleich für KI-Systeme wie ChatGPT oder Claude besser erfassbar. Denn Suchmaschinen und KI-Systeme profitieren von:
- gut strukturierten Texten,
- klaren Überschriften-Hierarchien,
- verständlicher Sprache,
- korrekt ausgezeichneten Elementen wie Bildern und Videos.
Damit erleichterst du Suchmaschinen, deine Inhalte zu indexieren, und KI-Systemen, deine Inhalte besser einzuordnen. Das kann sich langfristig positiv auf deine Sichtbarkeit auswirken.
Dazu kommt: Maßnahmen zur Barrierefreiheit verbessern oft auch die Nutzerfreundlichkeit, etwa durch schnellere Ladezeiten, mobile Optimierung und übersichtlich aufbereitete Inhalte. Auch das kann deine Sichtbarkeit unterstützen.
Es geht aber nicht nur um eine hohe Position in den Suchmaschinen, sondern auch um das Leseerlebnis für die Nutzenden. Viele Menschen scannen Inhalte nur noch. Damit sie bleiben, wiederkommen und später vielleicht bei dir kaufen, biete ihnen gute Texte, die auch den Augen guttun.
Für die Praxis heißt das: Führe die Lesenden mit klarer Struktur:
- Setze deutlich zu unterscheidende Elemente ein: Überschrift, Zwischenüberschriften, Text, Listen, Bilder oder Grafiken, Buttons und Links.
- Gestalte die Navigation so, dass sie von möglichst vielen Menschen problemlos erfasst und genutzt werden kann.
- Verwende klare Überschriften von Headline 1 bis Headline 4 (H1 bis H4; mehr brauchst du in der Regel selten) und formatiere sie hierarchisch. Durch Zwischenüberschriften machst du deinen Artikel scannbar, das Auge kann also an den Absätzen entlanglesen.
- Halte die Absätze kurz, damit du deinen Text übersichtlich für die Lesenden gestaltest.
Auch Medien spielen für Barrierefreiheit und Sichtbarkeit eine wichtige Rolle. Benenne deshalb Bilder, Videos und Audiodateien sinnvoll und stelle sicher, dass sie für möglichst viele Menschen zugänglich sind.
Am besten ist es, wenn du jedem Bild eine aussagekräftige alternative Beschreibung (Alt-Text) hinzufügst. Beschreibe kurz und präzise, was auf dem Bild zu sehen ist. Wenn du ein Keyword unterbringen kannst, umso besser. Wenn nicht: lieber weglassen. Wichtiger ist, die Beschreibung ergibt Sinn.
Alt-Texte helfen nicht nur denjenigen, die auf Screenreadern lesen, sie sind auch nützlich, wenn Bilder nicht geladen oder Inhalte vorgelesen werden. Achte außerdem darauf, dass die Bildunterschriften und umgebenden Texte den Kontext des Bildes erklären und zusätzliche Informationen liefern.
Und ja: Das zahlt wieder direkt auf die Suchmaschinen-Optimierung ein, denn Google liest die Bilder aus, kann sie besser indexieren und in der Bilder-Suche ausspielen.
Für Videos kannst du Untertitel anbieten und für Audiodateien (zum Beispiel Podcast-Folgen) Transkripte bereitstellen. Dem Lesenden gibst du alle Möglichkeiten: hören oder lesen, und gleichzeitig verlängerst du deinen Blogbeitrag sinnvoll mit Mehrwert.
Werden alle Inhalte richtig benannt und ausgezeichnet, gibst du Suchmaschinen die richtigen Signale.
Mach den Selbsttest: Du kannst dir deinen Blogartikel auch einmal von einem Screenreader vorlesen lassen. Sicher interessant, wie sich deine Beiträge vorgelesen anhören und ob sie lesbar (oder eben nicht) sind. Im Apple-Universum könntest du es mit VoiceOver probieren. Für Microsoft Windows gibt es den kostenlosen Screenreader NVDA.
4. Markenimage oder Markenwahrnehmung verbessern
Barrierefreiheit ist auch eine Frage der Haltung, und die lieben potenzielle Kundinnen und Kunden. Wer inklusiv gestaltet, stärkt sein Image und hebt sich von der Masse ab.
Mit barrierefreien Artikeln zeigst du, dass dir wichtig ist, dass alle Menschen gleichermaßen deine Inhalte konsumieren können. Das ist nicht nur „nett“, sondern hat viel mit deinen persönlichen Werten und deiner Positionierung zu tun: Du übernimmst soziale Verantwortung, wenn du Inklusion und Diversität mitdenkst.
Und das wirkt sich wiederum positiv auf dein Image, deine Marke aus. Bloggerinnen und Blogger sowie Unternehmen, die auf Barrierefreiheit setzen, werden als fortschrittlich, sozial engagiert und kundenorientiert wahrgenommen.
Wenn du dich oder dein Unternehmen nachhaltig, sozial verantwortlich oder werteorientiert positionieren möchtest, sollten deine digitalen Inhalte für alle zugänglich sein.
5. Rechtliche Sicherheit schaffen und rechtliche Risiken vermeiden
Mit barrierefreien Blogartikeln bist du gut für die Zukunft aufgestellt, rechtlich wie strategisch.
Bereits jetzt gibt es gesetzliche Vorgaben zur digitalen Barrierefreiheit. In Deutschland regelt sie seit Juni 2025 das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz. Das verpflichtet bestimmte Unternehmen, digitale Angebote barrierefrei zu gestalten.
Wenn dich dieses Gesetz betrifft, solltest du so schnell wie möglich dafür sorgen, dass deine Inhalte den Standards entsprechen, wie etwa den Web Content Accessibility Guidelines (WCAG). Das bedeutet: Alle veröffentlichten Texte, Bilder und Multimedia-Inhalte müssen zugänglich sein.
Und auch Bloggende und kleine Unternehmen können verpflichtet sein, etwa, wenn sie öffentliche Fördermittel erhalten oder mit Behörden zusammenarbeiten. Deshalb ist es sinnvoll, jetzt in die Barrierefreiheit von Blogartikeln (und Websites) zu investieren.
Selbst wenn dich das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz aktuell nicht betrifft, fang an, die eigenen Inhalte barrierefrei(er) zu gestalten. Nicht aus Panik, sondern weil du damit zukunftssicher wirst. Du bist auf zukünftige gesetzliche Anforderungen vorbereitet und beugst etwaigen rechtlichen Risiken vor.
So findest du heraus, ob deine Blogartikel barrierearm oder -frei sind:
Sind deine Blogartikel barrierearm oder -frei? Prüfe deine Artikel und schau, wo du Barrieren reduzieren kannst. Dazu helfen Tools, die deine Blogartikel untersuchen und Barrieren finden und dir Verbesserungsvorschläge anzeigen. Ich mag zum Beispiel WAVE. Dort kannst du den Link zu deinem Blogartikel eingeben und erhältst verständliche Hinweise.
Fazit: Barrierefreies Bloggen hilft allen
Ein barrierefreies Blog ist nicht nur ein Akt der Inklusion. Es hilft allen Menschen, Inhalte problemlos zu konsumieren. Und ja: Wenn du bloggst, übernimmst du damit auch ethische Verantwortung.
Gleichzeitig kann es für dich ein strategischer und entscheidender Erfolgsfaktor sein. Bloggende profitieren in vielerlei Hinsicht von gelebter Barrierefreiheit.
Du gewinnst, weil du
- deine Reichweite erhöhst und mehr Menschen erreichst,
- die Bindung zu deiner Zielgruppe stärkst,
- deine Sichtbarkeit in Suchmaschinen verbesserst,
- deine Markenwahrnehmung stärkst und Haltung zeigst,
- rechtliche Risiken reduzierst und zukunftssicherer wirst.
Außerdem nimmst du mit barrierefreien Blogartikeln eine Vorreiterrolle ein, indem du das Web inklusiver gestaltest und Haltung zeigst. Noch beschäftigen sich nur wenige Blogs aktiv mit diesem Thema. Genau darin liegt deine Chance: Du schaffst Bewusstsein, hebst dich mit deinen Inhalten ab und erreichst mit barrierefreiem Schreiben mehr Menschen. Das ist ein Gewinn für uns alle.
Ich möchte dich ermutigen, deine Blogartikel barrierefrei zu schreiben oder deine vorhandenen Beiträge Schritt für Schritt zu optimieren. Nicht alle auf einmal, versteht sich, sondern immer mal wieder einen.
Hast du deine Artikel schon barrierefrei gemacht? Teile deine Erfahrungen oder Herausforderungen beim Erstellen von barrierefreien Blogartikeln gern in den Kommentaren.


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